Fotografie

Beispiele

Was es alles für Möglichkeiten zum Fokussieren und Belichtungsmessen gibt wurde ausführlich in den vorherigen Kapiteln erklärt. Im folgenden Unterkapitel soll anhand einiger Beispiele der Bezug zwischen Theorie und Praxis hergestellt werden.
Wie man an der eigenen Kamera den Fokus und die Belichtungsoptionen einstellen kann oder man seinen eigenen Belichtungsmesser bedient, verrät einem die Bedienungsanleitung. Im Folgenden wird anhand einiger Beispiele das Prinzip erklärt.
Vorher aber noch ein paar allgemeine Tipps:

Schnappschuss

Der Schnappschuss ist wohl die Art von Foto, welche am häufigsten in privaten Fotoalben vorkommt. Beispiel: Schnappschuss
Schnappschuss größer
Dabei hat man, wie der Name schon sagt, wenig Zeit, um irgendwelche Einstellungen an der Kamera vorzunehmen. Deswegen haben die meisten Kameras empfohlene Einstellungen für diese Situation.

Vollautomatik

Bei modernen Kameras ist es meist die Vollautomatik, d.h. Wählschalter auf Automatik, abdrücken und den Rest erledigt die Kamera. Dabei wird die Entfernung mit Hilfe des Autofokus die Schärfe und über die Programmautomatik die Belichtung eingestellt. Meist klappt das auch ziemlich gut.

Teilautomatik

Besitzt man eine Kamera, bei der man manuell den Fokus einstellen muss, kann man entweder bei jeder Aufnahme neu fokussieren oder hat, abhängig von der Belichtungsart, folgende Möglichkeiten, um den Fokus Voreinzustellen:

Was bei der eigenen Kamera vom Hersteller empfohlen wird, verrät die Bedienungsanleitung. Natürlich kann man dann trotz dieser Einstellungen den Fokus oder die Belichtung noch manuell korrigieren, falls nötig und die Zeit dazu ist. Nötig wird die z.B., wenn das Objekt näher an der Kamera ist, als die eingestellte Schärfentiefe zulässt oder die Helligkeit so groß ist, dass das Foto ansonsten überbelichtet wird.

manuell

Muss man alles manuell einstellen, weil z.B. kein Belichtungsmesser in der Kamera integriert ist, dann kann man sich an folgende Richtwerte halten. Die Werte gelten für ISO 100. Bei anderen ISO-Empfindlichkeiten muss die Belichtungszeit durch den jeweiligen Faktor geteilt werden: bei ISO 200 durch Zwei und bei ISO 800 durch Acht.

MotivLWf 1,4f 2f 2,8f 4f 5,6f 8f 11f 16f 22
Schnee - Gegenlicht151/16000s1/8000s1/4000s1/2000s1/1000s1/500s1/250s1/125s1/60s
Strandsonne141/8000s1/4000s1/2000s1/1000s1/500s1/250s1/125s1/60s1/30s
Landschaft - leichte Bewölkung121/2000s1/1000s1/500s1/250s1/125s1/60s1/30s1/15s1/8s
Landschaftsonne121/2000s1/1000s1/500s1/250s1/125s1/60s1/30s1/15s1/8s
Sonne kurz vor Untergang111/1000s1/500s1/250s1/125s1/60s1/30s1/15s1/8s1/4s
Landschaft - starke Bewölkung111/1000s1/500s1/250s1/125s1/60s1/30s1/15s1/8s1/4s
Raum bei Tageslicht101/500s1/250s1/125s1/60s1/30s1/15s1/8s1/4s1/2s
Landschaft kurz vor Sonnenuntergang101/500s1/250s1/125s1/60s1/30s1/15s1/8s1/4s1/2s
Bühne71/60s1/30s1/15s1/8s1/4s1/2s1/1s2s4s
Landschaft in der Blauen Stunde61/30s1/15s1/8s1/4s1/2s1/1s2s4s8s
Raum bei Kunstlicht41/8s1/4s1/2s1/1s2s4s8s15s30s
Stadt in der Nacht21/2s1/1s2s4s8s15s30s60s120s
Landschaft am Ende der Blauen Stunde21/2s1/1s2s4s8s15s30s60s120s
nach oben

Landschaft

Landschaftsaufnahmen sind in Punkto Fokussierung und Belichtung einfach zu handhaben. Beispiel: Landschaft
Landschaft größer
Man fokussiert am besten auf kurz vor unendlich und lässt die Kamera entscheiden, welche Belichtung wohl am besten ist. Vorraussetzung ist natürlich, man fotografiert nicht gegen die Sonne oder Schnee vor schwarzem Gebirge.
Wenn genügend Licht vorhandne ist, stellt man eine möglichst lange Belichtungszeit ein bzw. wählt eine kleine Blende und nutz die Schärfentiefe voll aus. Dann bekommt z.B. man nicht nur die Gebirgskette am Horizont, sondern auch noch den See davor scharf. Bei der Belichtungszeit immer daran denken, nicht allzu lange zu wählen, damit man die Aufnahme nicht verwackelt.








nach oben

Gegenlicht

Gegenlicht aufnahmen sind schon etwas komplizierter, zumindest bei der Belichtung. Hier muss man sich entscheiden, will man die Lichtquelle (z.B. Sonnenauf- oder -Untergang) fotografieren oder die Umgebung (z.B. Landschaft).
Beispiel: Gegenlicht
Gegenlicht größer
Wenn man von einem Kontrastumfang des Bildmaterials von 8 LW ausgeht kann man sich die beiden Möglichkeiten leicht herleiten.
Ist die Lichtquelle das Hauptmotiv, z.B. die Sonne beim Auf- oder Untergang, dann wählt man den Bildausschnitt und belichtet ein bis zwei Lichtwerte geringer oder man misst die Belichtung gegen den Himmel, speichert die Belichtung, wählt den gewünschten Bildausschnitt und belichtet dann.
Will man aber den Vordergrund abbilden, dann kann man entweder das Bild mit bis zu zwei LW mehr belichten oder die Belichtung ohne Sonne im Bild messen, speichern und dann das eigentlich Bild machen.
Bei manchen Kameras gibt es von Haus aus eine Gegenlichteinstellung. Diese heißt oft auch Backlight. Damit weiß die Kamera automatisch, dass gegen etwas Helles fotografiert wird und belichtet länger.
So ähnlich verhält es bei Aufnahmen im Schnee. Vor allem immer dann, wenn relativ viel Schnee auf dem Foto zu sehen ist. Auch hier muss man etwas mehr belichten, als eine normale Belichtungsautomatik vorschlagen würde, denn sonst würde der Schnee grau und alle anderen Motive zu dunkel abgebildet.

nach oben

Nacht

Nachtaufnahen sind auch etwas knifflig. Zum einen findet der Autofokus oft keine Kontrastunterschiede und tut sich deswegen schwer, die richtige Entfernung einzustellen und zum anderen muss man lange belichten, damit überhaupt was auf dem Bild zu sehen ist.
Beispiel: Nacht
Nacht größer
Ob und wie schwer sich der AF tut, hängt etwas von der Kamera ab. Ein aktiver AF wird mit Dunkelheit keine Probleme haben. Bei passivem Autofokus ist ein AF-Hilfslicht von Vorteil. Wenn beides nicht vorhanden ist, dann hilft oft nur manuelles Fokussieren oder eine Stelle auf dem Motiv suchen, welche genügend hell und kontrastreich ist.
Bei der Belichtung wird es ähnlich kompliziert, denn meist reicht die vorhandene Helligkeit nicht aus, um noch ruhig aus der Hand belichten zu können, also wird man ein Stativ oder eine feste Unterlage zur Hilfe nehmen müssen. Wenn die Unterlage nicht ganz so stabil ist und man Gefahr läuft, durch das Betätigen des Auslösers schon zuviel zu verwackeln, kann man den Selbstauslöser oder eine Fernbedienung zur Hilfe nehmen.
Weiterhin muss man den Kontrastumfang beachten, vor allem, wenn man auch dem nächtlichen Motiv einzelne Lichtquellen und schwarze Flächen hat. Dadurch entsteht die Gefahr, dass man überbelichtete Lichter und/ oder Flächen ohne Zeichnung hat. Da hilft dann eine manuelle Korrektur ein bisschen, wobei man sich dabei entschieden muss, ob man eher die Lichter (etwas unterbelichten) oder die Schatten (etwas überbelichten) mit Zeichnung haben will.
Bei Aufnahmen wie im Beispielbild werden durch eine Unterbelichtung um 1 bis 2 EV Effekte wie Blooming und Purple Fringing reduziert. Außerdem spiegelt ein leicht unterbelichtetes Bild die Dunkelheit der Nacht besser wieder.
Was einem die Sache etwas leichter macht, ist, wenn man Nachtaufnahmen in der Dämmerung macht, dann sind die Kontraste nicht so groß und es besteht die Möglichkeit vollkommen durchgezeichnete Bilder zu erhalten.
Für richtig detaillierte Nachtaufnahmen mit guter Zeichnung in allen Bereichen kann man auch auf ein DRI (siehe: Nachbearbeitung - DRI) zurückgreifen.

nach oben

Objekte

Einzelne Objekte sind oft wieder einfacher zu fotografieren.
Die Vorgehensweise im Standardfall ist einfach. Fokus auf eine mittlere Ebene des Objektes legen, Blende so einstellen, dass die gewünschte Schärfentiefe entsteht, Belichtung auf das Objekt messen und belichten. Wenn man die Blende nicht direkt einstellen kann, weil die Kamera über eine Blendenautomatik verfügt, dann kann man aber über die Auswahl der Zeit die Blende entsprechen steuern.
Wenn die Kamera über ein Motivprogramm für Makroaufnahmen verfügt, dann kann man auch das nutzen.

Beispiel: Objekte Beispiel: Objekte
links: Makroaufnahme größer, rechts: Naturaufnahme größer
nach oben

Sport

Beispiel: Sport
Sport: eingefrorene Bewegung größer

Die Tipps für Sportaufnahmen beziehen sich natürlich auch auf unsportliche, aber trotzdem bewegte Motive.
Sportaufnahmen verlangen nach einer kontrollierten Belichtungszeit, schließlich soll die Bewegung eingefroren oder definiert unscharf dargestellt werden. Dazu empfiehlt es sich, eine Blendenautomatik zu wählen, dadurch hat man die Möglichkeit, die Zeit fest vorzugeben und sich die richtige Blende errechnen zu lassen.
Die richtige Belichtungszeit hängt zum einen von der Bewegung des Motivs und dem gewünschten Effekt ab. Will man die Bewegung einfrieren, dann sollte man eine möglichst kleine Belichtungszeit wählen. Dabei sollte die Zeit aber nicht automatisch auf den kleinsten Wert gestellt werden, sonst ergeben sich zu große Blenden, welche dazu führen, dass die Schärfentiefe klein wird. Das hat bei bewegten Motiven dann den Nachteil, dass diese sich z.B. aus dem scharfen Bereich bewegen können.
Will man eine definierte Bewegungsunschärfe erreichen, dann muss man eine längere Belichtungszeit wählen.
Beispiel: Sport
Sport: Mitziehen größer
Eine Möglichkeit, das bewegte Objekt scharf, aber trotzdem Bewegungsunschärfe mit aufzunehmen ist, die Kamera mitzuziehen.
Mehr zu Bewegungsschärfe unter: Schärfe - Bewegung des Motivs.
Bei der Fokussierung auf bewegte Motive wird man sich etwas schwer tun, es sei denn man hat eine relativ gute Kamera, welche den Fokus mitzieht. Ansonsten kann man sich helfen, indem man auf einen ähnlich weit entfernten Punkt fokussiert und diese Fokussierung dann beibehält.

nach oben

Gewitter und Feuerwerk

Wer schon mal versucht hat, ein Gewitter oder ein Feuerwerk zu fotografieren, der wird wahrscheinlich festgestellt haben, dass es gar nicht so einfach ist, die richtige Belichtungseinstellung zu finden.
Um die richtige Belichtung zu finden muss man Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeit manuell einstellen können. Bei der Einstellung geht man folgendermaßen vor.

Empfindlichkeit:

Blende:

Belichtungszeit:

Man benötigt eine relativ lange Belichtungszeit und deswegen ist es fast unmöglich, aus der Hand zu fotografieren ohne zu verwackeln. Ein Stativ oder eine fest Auflagefläche sind eigentlich unverzichtbar. Außerdem muss man oft lange probieren, bis man ein brauchbares Bild zustande gebracht hat.
Bei Gewittern sollte man aber immer auf seine eigene Sicherheit bedacht sein und lieber auf ein spektakuläres Foto verzichten, als sich vom Blitz treffen zu lassen.

Beispiel: Feuerwerk Beispiel: Gewitter
Feuerwerk größer und Gewitter größer
Fotografie auf www.puchner.org | Kontakt | Sitemap | letzte Änderung: 2005-01-17 | nach oben